Höhenstufen der Vegetation

Das Ökosystem Alpen ist geprägt durch einen vertikalen Wandel mit deutlich ausgeprägten Höhenstufen. Die Alpen werden in vier Stufen unterteilt. Die unterste Stufe ist die kolline Stufe. Sie umfasst die Hanglagen der Mittelgebirge und Hügelländer. Die natürliche Vegetation ist der Wärme liebende, sommergrüne Mischwald. Dieser ist heute allerdings weitgehend dem Menschen gewichen, der hier Siedlungen errichtet hat und die Region landwirtschaftlich vor allem mit dem Anbau von Getreide nutzt.

Mit abnehmender Temperatur weichen die Laubbäume in der montanen Stufe Nadelbäumen. Oberhalb der oberen Waldgrenze, einer Wärmemangelgrenze. An der der geschlossenen Waldbestände enden, findet man in der alpinen Stufe Krummholz-, Zwergstrauch-, Matten- und Polstervegetationen. Diese Stufe breitet sich nach unten aus, da die Waldgrenze durch Almwirtschaft, Viehverbiss und Holznutzung verschoben wird. Auch aufgrund steiler Hänge oder Felswände bzw. Lawinen- und Murenabgängen, die keinen Baumbewuchs zulassen, erreicht diese Grenze oft nicht ihre klimatisch maximale Höhe. Ist die Vegetationsperiode, d.h. die Zeit, in der die Tagesmitteltemperaturen größer als 5°C sind, kürzer als drei Monate, treten keine hochstämmigen Bäume mehr auf. Bei kürzerer Vegetationsperiode kann die Kutikula neuer Nadeln nicht voll ausgeprägt werden. Dadurch kommt es zur Erfrierung und zur Frosttrocknis. Unter einer schützenden Schneedecke tritt Frosttrocknis kaum auf, so dass ausgedehnte Krummholzbestände und auch in noch größeren Höhen Zwergsträucher die Höhenstufen bestimmen. Diese Pflanzen weisen, wie auch die Rasen- und Mattenpflanzen, trotz der extremen Bedingungen einen hohen Artenreichtum und eine große Farbenpracht auf.

Die Höhenstufen der Alpen Die Matten der alpinen Stufen bilden einen sehr flachen Pflanzenteppich aus und sind so den extremen ökologischen Bedingungen angepasst. Innerhalb des Vegetationsteppichs herrscht, ähnlich wie in einem Waldbestand, ein eigenes Mikroklima. Die hohe Wärmekapazität des dunklen Bodens bringt innerhalb des Bestandes eine Überwärmung gegenüber der Lufttemperatur bis zu 20°C. Selbst starke Winde sind im Inneren des Teppichs ohne Bedeutung. Die Luftfeuchtigkeit sinkt praktisch nir unter 80%. Durch den Weidebetrieb und die Almwirtschaft sind, vor allem im letzten Jahrhundert, die natürlichen Pflanzengesellschaften verändert worden. Da Rinder im Gegensatz zu Ziegen und Schafen das Gras nicht abbeißen sondern mit der Zunge rupfen, konnte sich auf den Weiden hartes, dichthorstiges und flach wurzelndes Borstgras durchsetzen. An den Viehlägern und Melkwiesen der Hochgebirgsweiden ist durch jahrzehnte- oder jahrhundertelange Kotanreicherung der Böden so nährstoffreich geworden, dass sich artenarme, hoch gewachsene Pflanzen - der Alpenampfer wird etwa 1,20 m hoch - üppig entwickeln und verbreiten, zumal sie von Rindern als Futterpflanze gemieden werden (Lägerfluren). Diese neuen Pflanzen halten dem Schneedruck im Winter nicht stand und werden flachgedrückt. Im Frühjahr behindert das abgestorbene Gras den Jungwuchs, da die toten Gräser das Auftauen des Bodens verzögern und damit die Vegetationsperiode verkürzen. In der im Frühjahr entstehenden Firnschicht frieren die langen Gräser ein. Kommt die Firnschicht an steilen Hängen ins Rutschen, werden die Pflanzen ausgerissen, da ihr flaches Wurzelsystem nicht genügend Halt bietet. Vegetationsfreie Flächen bleiben zurück. Diese sind ein Ausgangspunkt für eine flächenhafte Erosion.

Neben der Waldgrenze ist die Schneegrenze die auffälligste Trennlinie. Oberhalb der Schneegrenze taut der Schnee ganzjährig nicht mehr ab. Außer an freiliegenden Felsblöcken oder steilen Felswänden ist diese Eis- und Schneelandschaft fast ohne Leben. Oberhalb der Schneegrenze schließt sich die nivale Stufe an. Hier wachsen an einigen geschützten, schneearmen Stellen noch Moose und Flechten, doch meist ist der Boden hier das ganze Jahr über schneebedeckt. Es dominieren Schneefelder und Gletscher.

Der genaue Verlauf der Grenzen zwischen den einzelnen Höhenstufen ist nur selten gut zu erkennen und lässt sich nicht eindeutig einer Höhe zuordnen. Lokale Expositionsunterschiede können die Grenzen auf kurzen horizontalen Entfernungen deutlich verschieben. Die Gletscherzone wird allgemein mit einer Höhe über 3000m, die Mattenstufe zwischen 2000m und 3000m, die Nadelwaldstufe zwischen 1500m und 2000m und die Laubwaldstufe mit einer Höhe unter 1500m angegeben.

Somit ändern sich die ökologischen Bedingungen in den Alpen aufgrund der Steilheit und der gr0ßen Höhenunterschiede rasch. Daraus ergibt sich eine oben genannte etagenartige Staffelung bestimmter Pflanzen- und Tierarten. So kann auf einer eintägigen Wanderung vom Tal bis in die Gipfelregionen der Alpen eine ähnliche Pflanzenfolge durchquert werden, die auf einer 2500km langen Fahrt vom Alpennordrand zum Nordkap zu sehen ist.

Hangneigung und Handexposition beeinflussen die Höhenstufen der Vegetation stark. Ein südexponierter flacher Hang erhält in den Alpen die höchsten Energieeinträge, da die Sonne länger und in einem steileren Winkel einstrahlen kann. Vor allem im Frühjahr wird der Unterschied zwischen den schon grünenden und blühenden süd- und südostexponierten Hängen und den noch schneebedeckten Nordhängen besonders deutlich.

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